Erstes Zwischenfazit nach 75 Tagen „alleine“ reisen

Seit 75 Tagen bin ich jetzt schon „on the road“. Alleine. Das sind in 2 Wochen schon 3 Monate. Also 1/4 Jahr. Mir wurde mal gesagt, dass man nach 3 Monaten heim will und in dieser Phase einfach durchbeißen muss weil man danach dann am liebsten gar nicht mehr aufhören will zu reisen. Ich glaube/hoffe, dass ich die Phase kurz vor Weihnachten schon überwunden habe. Aber mehr dazu unten.

Was heißt es wirklich „allein“ auf Reisen zu gehen? 
Was sind die ups&downs?
Wie lange dauert es bis man „sich selbst gefunden“ hat?
Wie viel kostet der Spaß eigentlich?
Wohin geht’s als nächstes?
Wann komme ich zurück?

Alle Fragen kann ich jetzt noch nicht beantworten. But let me try…

Wenn man unterwegs Leute kennenlernt laufen die ersten 3 Minuten mal auf alle Fälle so ab:
„Hey, I’m (name)“
„Hey, I’m Belinda. Nice to meet you“
„Nice to meet you too.“
„Where are you from?“
„Belgium/Netherlands/UK/America/Germany (ja, mit diesen Ländern liegt man zu 80% richtig). And you?“
„Vienna, Austria.“
„Aaaah Austria. Do you speak German there?“
„Yeah, haha“
„Is it the same German as in Germany?“
„Well, I always say it’s like american- and britisch English. There are some different words and dialects but in fact it’s the same. Even if neither Germans nor Austrians want to accept that.“
„ah okey. Are you traveling on your own?“
„yes, and I f*cking love it. (most of the time)“

Also 90% der Erstgespräche laufen 1:1 so ab.
Und dann redet man darüber, wieso alleine Reisen nice ist.

Also wieso ist alleine reisen nice?
Weil ich jede Minute neu entscheiden kann was ich machen möchte. Ich kann von einen Tag auf den anderen meinen Rucksack packen und weiter ziehen oder länger als geplant an einem Ort bleiben. Ich kann bis in die Morgenstunden wach bleiben oder früh schlafen gehen. Ich kann einen ganzen Tag faul herum liegen (ohne von einem hyperaktiven Reisepartner genervt zu werden) oder den Ort erkunden. Ich kann essen wenn ICH Hunger habe, nicht wenn die Uhr sagt es wäre theoretisch Mittagessen-Zeit. Ich kann vegan und gesund essen oder mir einen Burger rein hauen. Ich kann Detox-Smoothies trinken und Früchte essen oder Mushroom-Shakes trinken und Joints rauchen (theoretisch). Ich kann 4 Wochen weg bleiben, oder 1 Jahr.

Außerdem reist man ja eigentlich nicht wirklich alleine. Man lernt eigentlich immer Leute kennen mit denen man dann was unternimmt und die ein oder anderen rauschigen Nächte miteinander verbringt. Und wenn man gerade keinen Bock auf Menschen hat, dann eben nicht.
Ja, manchmal wünsche ich mir jemanden den ich schon lange kenne – einen vertrauten Menschen. Manchmal (/oft) habe ich keinen Bock auf wanna-be netten smalltalk der wie gesagt immer gleich abläuft und wo du nach 5 Minuten dann eh nicht mehr weißt ob das jetzt George oder John ist mit dem du gerade redest und ob er aus Irland oder UK oder Belgien ist. Da will ich dann einfach nur herum gammeln und sagen „heast, du bist schirch, gib mir mal die Schoki.“ – und dann bekomme ich Schokolade mit der Antwort „Ist es nicht schön hier, Belinda?“. Aber ja, das spielt’s halt nicht mit gerade erst kennengelernten Leuten die den grantigen Wiener (add: Schoko-hungrigen-)Humor nicht verstehen. Und manchmal wäre es auch praktischer eine vertrauenswürdige Mitfahrgelegenheit zu haben wenn man doch mal ein Bier zu viel getrunken hat, als für die motorbike-Fahrt eigentlich okey gewesen wäre. Aber ich bin natürlich eine super Fahrerin und Fahre ausschließlich nüchtern. Meistens.

Zwischen-Fazit alleine reisen: Ich fühle mich so frei wie eigentlich noch nie. Ich habe keine Verpflichtungen (außer ein laufendes Projekt was aber vermutlich bald abgeschlossen ist) und kann jede Sekunde so leben wie ich will. Ich sehe die schönsten Orte der Welt und muss mich manchmal selber innerlich wach rütteln und mir sagen „Kann mal bitte jemand den Greenscreen und die versteckte Kamera weg geben? Oder warte, fuuuck…ich bin gerade wirklich hier!“. Ich fange langsam an kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn ich nicht nur einen Tag Nichts mache, sondern eine Woche. Ich bin eigentlich meistens nicht alleine, wenn ich nicht gerade alleine sein will. Aber manchmal hat man trotzdem Heimweh und wünscht sich jemanden her, den man kennt.

Zwischen-Fazit ups&downs: 
ups: grenzenlose Freiheit
downs: *check Skyscanner nach dem nächsten billigen Flug heim*

Wie lange dauert es, bis man „sich selbst gefunden“ hat?
Hahahaha r u kidding me? – nächste Frage (na aber Ernsthaft, das braucht einen eigenen Blog Beitrag)

Was kostet der Spaß eigentlich?
Letztens mal ganz grob ausgerechnet und jetzt mit meinen Kontobuchungen verglichen. Nach knapp 3 Monaten Thailand, inklusive allem (Flug von Wien nach Bangkok, Inlandsflug und Zug-/Busfahrten, Taxis, Motorbike rent (+ Reparatur weil Unfall), Unterkünfte, 2 tägige Dschungeltour, Tauschkurs+Tauchschein, Essen (viel Essen), Trinken (non-/Alkohol), Eeeetliche Yogastunden, Meditationsklassen und Mindfulness-talks/Workshops, Massagen, Eintritte für Sightseeing und und und…bin ich derzeit bei ca. 2600€. Wenn ich das mit einer Woche Summersplash für 1090€ vergleiche, kann man da ja fast nichts sagen (;

Wohin geht’s als Nächstes?
Jetzt bin ich gerade auf Koh Phangan. Jetzt.

Wann komme ich zurück?
Früher oder später. Wenn der liebe Marcin tatsächlich den Flug nach Bali bucht, dann treffen wir uns im April dort. Und sollte ich dann schon genug vom reisen haben, komme ich vielleicht gleich mit ihm zurück. Wenn nicht, dann nicht.

All-in-all-Zwischen-Fazit:
Trotz ein paar Touri-Abzocken, Heimweh-Wellen und Verwirrtheit liebe ich mein Leben gerade. Und alle Menschen die zu Hause sitzen und mir über WhatsApp, Telegram, Facebook & co die mentale Unterstützung geben, machen das alles erst möglich. Weil ohne diese Menschen wäre ich vermutlich noch vor Weihnachten in den nächsten Flieger gehüpft und hätte mich unter dem Tannenbaum zusammengerollt und auf’s Christkind gewartet. Jetzt sitze ich gerade an meinem „Hin-und-wieder-Arbeitsplatz“ (à la Reception der Bungalows wo ich bin) mit Blick auf den Strand auf Koh Phangan und versuche nicht zu viel daran zu denken wohin meine Reise geht – sondern einfach den Moment zu genießen.

°Namaste°

Bildschirmfoto 2016-01-04 um 14.48.00

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